| Artist | COCOON | |
| Title | The Itch EP | |
| Homepage | COCOON | |
| Label | EIGENPRODUKTION | |
| Leserbewertung | 6.00 von 10 Punkten (7 Bewertungen) |
Während es die meisten Schmetterlingsraupen kaum ein paar Wochen im eigens gesponnenen Käfig hält, nehmen sich COCOON beim Wort. Satte zwei Jahre nach dem ersten und bislang einzigen Album „This is freedom“ kündigt „The Itch EP“ in aller Kürze die bevorstehende Krönung der Stil-Metamorphose an, ohne die Schale zu sprengen und den mächtigen Falter direkt in voller Pracht zu präsentieren. Dabei strecken die Bonner ihre Fühler einem klaren Ziel entgegen: neue Partner müssen her, die bereits angekündigte Platte soll in die richtigen Hände fallen, doch so einen Platz an der Sonne müssten sie sich mit reichlich Artgenossen teilen. Und der will ja überhaupt auch erst einmal verdient werden.
Die Schwingen öffnen sich weit zum ersten Flügelschlag „Essential“, der mit einem Schwung neu gewonnener Härte scharf um die Ohren bläst. Ohne Einführungsphase geht die vertrackte (wer es „Djent-ig“ nennen möchte, bitte…), brutalisierte Neuorientierung auf Konfrontationskurs, fast ausschließlich auf metertiefer Death- und Breakdown-Frequenz hört man die Wellen schlagen. Auch das gesangliche Monstrum entreißt sich der Tiefe nur noch für einen Haufen Crowd-Shouts, die den ehemaligen Emo-Cleans endgültig den Rang abgelaufen haben, so dem Geknüppel aber weitestgehend ein wenig Ordnung verschreiben können. Natürlich ist das melodische Federkleid keineswegs zerrupft zu Boden gesegelt, „Boy from the north“, abgesehen vom vollextremen Zerstörungsdrang THE GHOST INSIDE im Aufbau nacheifernd, stellt es sogar besonders auffällig zur Schau. Auch „Don’t give up on me“ setzt derart an, sägt sich im fixen Hardcore-Mantel an ein paar derben Füllern vorbei (Dubstep funktioniert hier als einmaliges Gimmick ausnahmsweise) bis zum letzten Klampfen-Choral vor dem verschlingenden Drop, in dessen Folge ein durch dynamische Drums bereicherter Break grassiert. Die Richtung für den unmittelbaren Nachfolger kann kaum deutlicher vorgegeben werden, brachial schreitet somit auch das abschließende „The ghost of autumn“ mit schnellen, metalle(r)nen Schritten. Da weiß jeder, wo er dran ist.
So haben COCOON es mit dieser kurzen Rückmeldung eindeutig geschafft, ihren Standpunkt der zeitgemäßen Schonungslosigkeit darzulegen und damit einen ersten Ausblick auf die zweite Langrille zu geben. Dass für jenen Tonträger noch zwei, drei Ideen mehr Einlass gewährt wird, könnte dem zeitweise noch recht einschlägigen Brechertum eine Stütze sein und sollte sich (hoffentlich) als Selbstverständlichkeit durchsetzen. Bis dahin sollte dieses corigerweise detailgetreu verarbeitete EP-Format, das die wichtigsten Rahmenpunkte des aktuellen Szene-Standards eingeschlossen hat, jedoch reichen, um die erstrebten Deals an Land zu ziehen.
[Sebastian Palmer] (12-07-2012)
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