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FOR ALL THIS BLOODSHED - Brawl

FOR ALL THIS BLOODSHED
Artist      FOR ALL THIS BLOODSHED
Title Brawl
Homepage FOR ALL THIS BLOODSHED
Label STRAIGHT FROM THE PIT RECORDS
Leserbewertung 7.84 von 10 Punkten (19 Bewertungen)

Die Sharks schwimmen wieder! Nicht mal ganz ein Jahr nach ihrem Erstschlag "Returning the Favour" setzen FOR ALL THIS BLOODSHED schon wieder mit der zweiten EP zum Angriff an. "Brawl" nennt sich das neue Haifischbecken, in dem sieben Kompositionen nur darauf warten, ihre gespitzten Zähne in den Gehörtrakt der Rezipienten zu schlagen. Da hilft auch kein Quietsche-Entchen mehr!

Und wenn selbst RAMMSTEIN von Haien und deren Zusammenhalt singen (freilich von Brecht entlehnt), trifft diese Eigenschaft ebenso auch auf dieses Quintett zu. Merkte man dem Erstling phasenweise noch ein wenig an, dass man erst wenige Monate zusammen musizierte, präsentiert man sich nun deutlich homogener. Ein Umstand, den man auch dem Liedgut durchaus anmerkt. Nach dem starken instrumentalen Opener "Brawl" versenkt man nämlich mit "Shatterheart" schon direkt das erste Schiff, welches derart gleich in die Grube der Highlights herab sinkt. Drückende Drums und eingängiges Riffing bilden eine melodische Deathcore-Strömung, die den Killer durch die Meere schießen lässt, während bei den bösen Shouts von Scream-Queen Rage selbst Piranhas ehrfürchtig mit den Zähnen klappern. Würden Haie knurren, wäre dies die perfekte Vertonung! Die blutjunge Frontfrau hat wirklich einen enorme Entwicklung durchgemacht: zu den ohnehin schon ordentlichen Shouts gesellen sich nun auch noch fiese Growls und kehlige Schreie hinzu, was dem Gesamtsound der Kölner absolut zuträglich ist: Verpiss dich Arielle, in diesem Ozean gibt es nur eine (!) Prinzessin! Das Lied an sich geht straight nach vorne, besticht mit tollem Groove und einem Refrain, dessen "But I deserve so much more" sich umgehend im Gehörgang verbeißt. Weiter geht es mit "No stars tonight" und dem wohl überraschendsten Song des Silberlings. Mit kurzem DEADLOCK-Elektro-Start walzt das Ding aus der Tiefe los und zieht einen förmlich mit hinunter in den deathcoreartigen Sog, entfacht von kräftigen Basslines, verspielten Riffs und delfinschnellen Double Bass-Arien, so dass Flipper erstmal doof aus der Wäsche guckt. Als versunkene Schatztruhe tut sich da vor allem der Crew-Shout-Refrain des Stücks auf, der ihm, von tollem Melodiestrom untermalt, eine herrliche Tiefe verleiht. Tolles Songwriting, in dem auch die Shark.. äh... Pig squeals von Bassist Marcus wieder voll den fliegenden Fisch abschießen. Leuchten schon keine Sterne heute Nacht, dann glänzt dafür auf jeden Fall dieser Track auf der Wasseroberfläche! "Adamantine Lustre" beginnt dann in einem Hardcore-Bächlein, in dem Rage ganz oldschool die Widmung des Songs in die Welt hinaus schimpft. Doch dann mündet man schnell wieder in größeren Metalcore-Gewässern: eingängige Gitarrenarbeit vom Duo Chris und Markus vermischt sich mit der reißenden Pedalarbeit vom Ingo am Schlagzeug und gekonnt zwischen gefauchten Shouts und röhrenden Growl-Stößen wechselndem Stimmeinsatz. Ließ man beim Vorgänger noch hier und da ein Sprachsample und den fast schon legendären "sickest breakdown ever" mit in den Teich, gönnte man sich statt dessen dieses Mal den "sickest crew shout ever" als Perle in einem deftigen Breakdown, der inklusive krasser Pig Squeals das reinste Seebeben auslöst. Mit jenen Schreien beginnt dann auch "Paperrose of Fiction", eine treibende Nummer, bei der RESIST THE TIDE-Shouter Burak ausnahmsweise der Flut nicht widerstehen konnte und sich dem Rudel der FATB-Sharks anschließt. Wie schon bei diversen Live-Features erhebt er gemeinsam mit Rage in seinem "Junger-Tim Lambesis"-Stil die Stimme, ehe man mit einem tollen Lead-Gitarrenpart und krassen Tempi- und Rhythmuswechseln den Seesack mit Outtake-Abschluss (wie auch beim entsprechend platzierten Track auf dem Erstling) zumacht. Den Grund fast erreicht hat man dann schon fast mit der vorletzten, kurzen Komposition "The awful Tale of Sharon Hope (Chapter One)", welches sehr atmosphärisch daher kommt. Als tauche man durch ein Korallenriff, gleitet die schöne Melodie sanft ans Ohr des Rezipienten; allein Rages verzerrte Shouts lassen erahnen, dass beim abschließenden "The awful Tale of Sharon Hope (Chapter Two)" Meeresgott Triton noch einmal seinen Dreizack kreisen lässt. Mit Hochgeschwindigkeit türmt die Saitenfraktion von einem aufwühlenden Riff angeführt noch einmal meterhohe Flutwellen auf, welche Ingo am Schlagzeug schonungslos nach vorne peitscht. Ein cooler Effekt folgt man in einen ebenso gelungenem Groove-Part, wonach man dank des ALL SHALL PERISH Finishs dann auch keinen Rettungsring mehr auswerfen braucht: die Sharks waren schneller!

Laut RAMMSTEIN/ Brecht sind die Meere durch die Tränen der Haifische so salzig. Im Fall von "Brawl" ist man - mal abgesehen von Freudentränen - vom Weinen allerdings seemeilenweit entfernt. Eher ist hier wohl Schweiß der Erzeuger des Geschmacks, denn FOR ALL THIS BLOODSHED haben wirklich weiter an sich gearbeitet und sind nun deutlich mehr eine Einheit als noch auf "Returning the favour". Die sieben Kompositionen sind dichter und tiefgängiger, durchdachter und ausdrucksstärker, straffer und vielschichtiger. Zukünftig könnte man den 1A-Pig Squeals gerne eine noch bedeutendere Rolle im Songwriting gönnen und sie so verstärkt in dem jeweiligen Konzept verankern, doch dazu hat die nun erst seit Anfang 2009 bestehende Combo ja noch ausreichend Gelegenheit. Mit diesem zweiten Flossenschlag zeigen sie jedenfalls deutlich, welches Potential in ihnen steckt und bieten so auch live sieben neue Titel für die sieben Weltmeere. Eine EP wie einst Captain Planet - stark, da die einzelnen Elemente zusammenhalten: Das Feuer hat der Fünfer definitiv bewahrt, eher noch weiter entfacht; mit entsprechendem Eifer ging man ans Werk und vor allem Shouterin Rage faucht infernal wie ein Flammenwerfer die Lyrics hinaus. Den Wind erzeugt die Instrumentenfraktion, die einem mit druckvoller Saiten- und Drumarbeit das Hirn durchblasen und manchen Sturm herauf beschwören. Dank der soliden Eigenproduktion von Schlagzeuger und Aufnahmeleiter Ingo sowie der Abmischung vom fleißigen Könner Niels Löffler hat man einen ordentlichen Klang geschaffen, bei dem an wenigen Stellen die Vocals noch etwas lauter hätten sein können, der den Sound der Band aber tief in der Erde verankert. Man darf gespannt sein, wie fett FATB erst klingen, wenn man erst mal ein Studio aufsucht. Dazu kommen laut Captain Planet noch Liebe, die man der Truppe bei ihrem Tun definitiv anmerkt, und die Eigenschaft des Wassers, all diese Sachen vermischen zu können. Und fertig ist ein kleiner, gut 20minütiger Superheld des Melodic Deathcore-Genres. Von ALL SHALL PERISH bis zu DARKEST HOUR reichen die Ufer der Kölner Haie (kleine Eishockey-Anspielung am Rande), doch ihren Horizont haben sie noch längst nicht erreicht: wenn man die Entwicklung weiter so aufrecht erhält, dann gehört man vielleicht schon in naher Zukunft zu den größten Fischen im Teich! Freunde des Genres hat man allerdings wohl jetzt schon an der Angel.

[Aläx] (03-05-2010)

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