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JENNIFER ROSTOCK - Live in Berlin (CD/ DVD)

JENNIFER ROSTOCK
Artist      JENNIFER ROSTOCK
Title Live in Berlin (CD/ DVD)
Homepage JENNIFER ROSTOCK
Label WARNER
Leserbewertung 1.84 von 10 Punkten (116 Bewertungen)

Ein Live-Album nach 3 Longplayern? Ja kann man machen. Im Fall von JENNIFER ROSTOCK ist das sogar angebracht, entfalten die Hauptstädter ihre wahre Energie doch erst auf der Bühne. 2007 gegründet und längere Zeit von der seriösen Musikpresse (also nicht wir) wohl eher belächelt, hat man sich mittlerweile in Deutschlands Soundlandschaft festgesetzt, gar einen halbwegs ordentlichen Ruf eingefahren. Der flotte Pop Rock meets 80er NDW-Hektik hat bereits einige nette Songs hervorgebracht, und die Texte sind gar nicht so blöd. Dabei fällt und steht natürlich alles mit Fronterin Jennifer Weist, die man wahlweise als durchgeknallte Schlampe oder Ikone einer Generation sehen kann. In Wirklichkeit ist sie natürlich nichts davon, aber singen kann sie und optisch dürfte sie auch den einen oder anderen Junggebliebenen ansprechen.

Mit der nun (Achtung Lieblingswort) vorliegenden CD/ DVD-Kombi erhält der Fan ein schönes Zeugnis eines 2012er-Auftritts in der Heimatstadt, das mit einigen Schmankerln gesegnet ist, auf die man normalerweise bei Auftritten der Truppe verzichten muss. Ich habe die „Rostock Vampires“ ja auch schon ein paar Mal live erleben dürften und mich dabei immer ziemlich alt gefühlt, und auch hier werden die vordersten Reihen von gepiercten und tätowierten Heranwachsenden gefüllt, die in Jennifer offensichtlich ihr Role Model gefunden haben. Da ich nichts gegen den Anblick derart „verunstalteter“ Menschen habe (eher im Gegenteil), ist der Genuss des optischen Teils dieser Veröffentlichung durchaus angenehm, der inhaltlich mit der CD weitestgehend bis ganz übereinstimmt, wenn man von unbedeutenden Kleinigkeiten absieht. Da wäre doch sicher mehr gegangen, technische Limitierungen können hier wohl keine Rolle gespielt haben. Nun denn, rein ins Glück.

Abgesehen von der durchaus heterogenen Stamm-Bandstruktur (mit einem wie immer arrogant wirkenden Alex Voigt an der Gitarre), hat man sich eine Theke samt Barkeeper auf die Bühne gestellt, was bei dem Alkoholkonsum insbesondere der Sängerin Sinn macht. Zum Glück sind die meisten der eher nervigen „Zicke Zacke Heu Heu Heu-Spielchen“ in die Outtakes gelegt, so dass man sich mehr auf die interessanten musikalischen Gäste konzentrieren kann. Wo findet man sonst schon mal eine Bandbreite von SIDO über JUPITER JONES, EGOTRONIC bis hin zu WAR FROM A HARLOTS MOUTH? Spricht weder gegen die Glaubwürdigkeit von JR noch gegen das recht variable Song Material. So kratzt das Ganze schon mal an der Grenze hin zum Emocore, ergo dürfen die Mädels auch ihre harten Freunde mit in den Pit nehmen, ohne dass die sich blamieren.

SIDO rappt sich sympathisch durch „Du willst mir an die Wäsche“, JUPITER JONES veredeln das gefühlvolle „Insekten im Eis“, Nico von WFAHM war ja schon auf Platte beim Knaller „Es war nicht alles schlecht dabei“. Dazu gibt es einen Unplugged Part mit ein paar sinnlos-bescheuert drapierten Mädels auf der Bühne, einem sichtlich nervösen Jungspund wird kurz in die Hose gegriffen, Taschenlampen und andere Effekte kommen zum Einsatz. Im Mittelpunkt immer der hypernervöse Bilderständer Weist, der ausnehmend gut singen kann – was keine neue Erkenntnis ist.

Die Qualität der Bilder ist ok, aber nicht überragend, passt hier aber zum relativ rauen Live-Feeling, allzu viele Kamerapositionen werden nicht geboten., dürfte technisch allerdings auch nicht so einfach gewesen sein. Letztendlich alles im grünen Bereich, der Fan (und nicht nur der) wird sich gut unterhalten. Dazu gibt es ein paar eher sinnlose Extras wie eine Shoutbox für besonders mutige Fans, Outtakes (nur gute 3 Minuten) und ein 10 minütiges Making of. Ich wiederhole mich – da wäre mehr drin gewesen.

Letzt und endlich eine Art Best of im rauen Bühnenfeeling mit vielen kleinen gelungenen Gimmics, der noch einmal mehr als deutlich macht, dass sich JENNIFER ROSTOCK zu einer wichtigen Konstante in der deutschen Musiklandschaft entwickelt haben. Und das AUCH durch die Klasse ihrer Kompositionen. Love them or hate them! Übrigens auch in der limitierten Fan Edition mit Kopfhörer und Patch…

[tk/ Lord Khaos] (09-08-2012)

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