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SIMPLE MINDS - X5 (6-CD)

SIMPLE MINDS
Artist      SIMPLE MINDS
Title X5 (6-CD)
Homepage SIMPLE MINDS
Label VIRGIN
Leserbewertung 10.00 von 10 Punkten (1 Bewertungen)

Wer die SIMPLE MINDS erst seit ihrem Welthit "Don't You (Forget About Me)" kennt, der hat das Bild einer Band vor Augen, die einige Jahre lang ganze Arenen füllen konnte und die ihr Publikum mit "La lalalala lalala lala lala"-Textzeilen zum Mitsingen auch ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse einlud. Irgendwann hatte es sich dann „ausgelalalat“ und die Schotten verschwanden in der Versenkung, aus der sie bis heute nicht mehr so richtig zurückkehren konnten, was zum einen an der ausgelutschten Hitformel von "Don't You" lag, zum anderen an Alben, die irgendwie konzept- und konturlos wirkten. Wer bereits vor dem besagten Hit – also vor 1985 – die SIMPLE MINDS kannte, der wird sich erinnern, dass diese Truppe um Frontmann Jim Kerr viele Jahre lang "verdammt gute Musik" gemacht hat (wie Special Agent Dale Cooper es vermutlich formulieren würde). Diese Jahre sind nun in einer Box mit dem knappen Titel "X5" (fast) komplett dokumentiert, die die ersten fünf regulären Alben enthält.

1979 nahm das damals noch wohlmeinende Schicksal seinen Lauf, als mit "Life in a Day" das erste Album der Band erschien. Musikalisch war das noch von den abebbenden Ausläufern der Punk-Ära geprägt, aber bereits mit dem Nachfolger "Real to Real Cacophony" wurde es experimenteller, düsterer und vor allem elektronischer. Diese Entwicklung wurde mit dem dritten Album "Empires and Dance" konsequent fortgeführt, was diese Produktion seinerzeit in einer Liga mit "Replicas" von TUBEWAY ARMY, "Travelogue" von THE HUMAN LEAGUE oder "Metamatic" von JOHN FOXX spielen ließ. Vor allem der hypnotische Track "I Travel" war für diese Phase prägend. Etwas verhaltener, dafür noch etwas elektronischer und textlich stärker an der New Wave orientiert ging es 1981/82 mit den beiden Scheiben "Sons and Fascination" und "Sister Feelings Call", die gleichzeitig veröffentlicht wurden (wobei "Sister Feelings Call" zunächst in limitierter Auflage als Beigabe zu "Sons und Fascination" erschien, später als eigenständiges Album erhältlich war – was im Übrigen auch die Bezeichnung "X5" für diese Box erklärt, da diese beiden Alben ursprünglich als eine einzelne Veröffentlichung gelten, hier aber je eine eigene CD belegen). "Love Song", "The American" oder "Themes for Great Cities" sind nur einige der musikalischen Perlen aus dieser Phase. Und dann? Tja, dann folgt "New Gold Dream (81-82-83-84)", das letzte Album dieser Box, das die SIMPLE MINDS auf etwas poppigeren Pfaden zeigt, ohne dass sie dem Sound ihrer letzten drei Releases allzu untreu werden. "Promised You a Miracle" ist der zweifellos bekannteste Track von diesem 1982 erschienenen Album, aber bei weitem nicht der beste. Ganz oben und damit fast an der Spitze liegt "Someone Somewhere In Summertime", das nur noch überboten wird von dem unvergleichlichen Titeltrack "New Gold Dream", der beinahe das Tempo von "I Travel" erreicht (und der in der ebenfalls enthaltenen 12"-Version noch um Längen besser ist).

Fünf Langspieler auf sechs CDs, dazu fast 20 Bonustracks, die bis dahin vorwiegend als B-Seiten zu finden waren – und das alles für den Preis eines Doppelalbums: Da kann man nur zum Zugreifen raten, wobei die Post-1985-Fans gewarnt seien: Der Inhalt dieser Box hat nichts, aber auch gar nichts mit den Songs ab "Don't You" zu tun, denn was die SIMPLE MINDS bei den späteren Liveshows aus diesen alten Tracks gemacht haben, weist mit dem Original nur in manchen Fällen noch Ähnlichkeiten auf. Nicht enthalten ist bedauerlicherweise "Sparkle in the Rain", das bereits eine leichte Abkehr von der bis dahin gefahrenen Linie erkennen ließ und bis heute irgendwie wie ein U2-Klon klingt, der noch nicht so richtig weiß, was er eigentlich will. Allerdings steckt auch da noch immer genug SIMPLE MINDS drin, bevor die Band vom Belanglosigkeits-, Massenkompatibilitäts- und Wohlfühlvirus befallen wurde und penetranten Pseudobetroffenheitslieder wie "Mandela Day" oder "Belfast Child" unters Volk brachte – auch das ein Zeichen für ein (vielleicht gar nicht mal so bewusstes) Nacheifern der U2-Erfolgsformel. Wer die Essenz der SIMPLE MINDS in sein CD-Regal stellen will (natürlich nur, um sie sich von Zeit zu Zeit auch wieder anzuhören, aber nicht, um sie da verstauben zu lassen), der sollte sich die Box "X5" zulegen (und "Sparkle in the Rain" gleich noch mit dazu, obwohl man da vielleicht noch warten sollte, ob nicht mal eine Deluxe-Ausgabe mit den Maxi-Versionen, B-Seiten usw. erscheint).

[Ralph Sander] (14-06-2012)

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