| Artist | T.RAUMSCHMIERE | |
| Title | Radio Blackout |
Electro Clash, Electro Cash. 80’s Revival, Synthiepop, die neue Deutsche Gräsigkeit und der Kult der Ironie. Irgendwann muss doch die Berliner Diskursitis ein Ende haben! Rotzig sind sie, die neue Helden, wild und unbekümmert, machen den Pogo im Präsenz, retten den Punk ins neue Jahrtausend!
Wers glaubt. So wie aus Punk irgendwann mal die Ausrede wurde, rein gar nichts mehr zu können, so feiern Presse und Publikum in der aktuellen Elektronikszene das Durchdeklinieren des Nichts: Knöpfchendreher sind es, die regieren, Nicht-Musiker, die auf Livekonzerten zittrige Finger bekommen, wenn sie die Hi-Hats rein- und rausdrehen. Bei allem Pochen auf Anti-Establishment sind es perfekt durchgestylte Produkte, doch mit Musik hat das nicht mehr viel zu tun. T.RAUMSCHMIERE fügt sich in diese Reihe eigentlich nahtlos ein. Sein "frech" „Radio Blackout“ betiteltes Werk kommt genauso gut in dreckigen Basement-Discos wie in eleganten Designerclubs, ist genau deswegen hip, weil es gegen jeden und damit ja auch wieder für alles ist. Es sagt genug, dass dieses Album prominent auf einslive präsentiert wurde. Die ersten vier Stücke, darunter die Single „Monstertruckdriver“ sind symptomatisch, gehen nirgendwo hin, außer zu sich selbst und die optisch so reizende wie stimmlich aufreibende Miss Kittin darf mal wieder ins Mikro nörgeln. Doch danach tritt eine unerwartete Wendung ein. „Drown in the sea while watching the stars“ ist ein kleines Wunder aus knarzigen Beats und einem verstimmten Piano und „Rabaukendisko“ ein gekonnter, völlig durchgedrehter Angriff auf die Hörnerven. In diesem Stil geht es weiter, mit kurzen Ausflügen in Hip-Hop und Ambient. Das abschließende „MuSick Boy“ hätte dann nicht mehr sein müssen, doch man kann ja vorher abschalten.
Ein Meilenstein wird dadurch noch nicht draus, aber gute Unterhaltung allemal. Wenn T.RAUMSCHMIERE jetzt der Anführer einer neuen Bewegung wird, dann kann man damit leben. Aber bitte, bitte, gebt dem Kind nicht wieder einen neuen Namen!
[tocafi] (13-10-2003)
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