| Artist | VARIOUS ARTISTS | |
| Title | Neo-Form präsentiert: Salon Décadence | |
| Leserbewertung | 7.50 von 10 Punkten (6 Bewertungen) |
In den verschiedenen Bereichen musikalischer Subkultur treiben sich im Netz eine ganze Menge Informationsangebote herum, zu den interessantesten der Sparten Neofolk/ Industrial/ Avantgarde gehört sicherlich die Webpräsenz www.neo-form.de. Aufgemacht als ungewöhnliche Mischung aus Online Magazin und Forum kann man dort eine ganze Reihe unterhaltsamer Berichte und Rezensionen entdecken, auch vor streitbaren Themen macht man niemals halt. Genau wie beim Terrorverlag führte das Engagement beizeiten dazu, ein eigenes Konzertereignis auf die Beine zu stellen, in diesem Falle titelgebender Salon Décadence. Über 2 Tage fand in der Absintherie Sixtina in Leipzig ein exklusives Event magischer Musikmomente statt, passenderweise sozusagen „angehängt“ an das Wave Gotik Treffen. Bei dieser Gelegenheit wurde vorliegender Festival Sampler veröffentlicht, ähnlich wie bei „unserem“ Festival der subkulturellen Töne ein nettes Add-On der beteiligten Künstler. Für all diejenigen, die nicht vor Ort sein konnten (wozu auch der Schreiber gehört), besteht aber auch die Möglichkeit, den Silberling im nachhinein zu erwerben, er wird beispielsweise beim Forsite Verlag für knapp 10 Euro, bei Neoform direkt für noch günstigere 6 angeboten.
Hierzu muss man sagen, dass dem potentiellen Hörer knapp 60 Minuten Musik geboten werden, professionell gepresst und mit gedrucktem Artwork. Wobei allerdings bei der Pressung ein Missgeschick geschah: Die Reihenfolge der Titel wurde aufgrund irgendwelcher Irrungen vertauscht, was dem Genuss allerdings nicht abträglich sein sollte. 5 Künstler teilen die Tracklist untereinander auf, die 4 Festivalteilnehmer sowie ECHO WEST, deren Partizipation mir auf den ersten Blick nicht ganz einleuchtet, gegen einen Bonus habe ich aber auch nichts einzuwenden. Im Einzelnen hätten wir da zunächst SHAVA SADHANA (bedeutet im Sanskrit „Meditation auf einem Leichnam“), das Projekt des Deutschen Vingthorr, der indische, nordische und satanistische Lehren zu okkulter Musik verarbeitet, insbesondere von Aleister Crowley beeinflusst. Nach seiner Debüt-CD „Andask“ aus dem Jahre 2005 steuert er nun 3 exklusive Kompositionen bei, die formal recht unterschiedlich ausfallen. „Yggdrasil“ und „Eldfellshraun“ kommen rein instrumental elektronisch daher und verbreiten eine recht mysteriöse Stimmung. Das englisch intonierte „Unity“ hingegen enthält zusätzlich deutliche Neofolk-Elemente. Lutz Rach, seines Zeichens Mastermind von THO-SO-AA lässt danach seine Dronen auf den geneigten Hörer los („Missing Link“), bevor die Deutsch-Finnen SAGITTARIUS 3 mal ihre Vision von Neoklassik darbieten. Zum Einsatz kommen hier Flöte, Piano, Akustikgitarre aber auch synthetische Klänge, hinter denen vornehmlich Cornelius Waldner steckt, den ich auch schon einmal live erleben konnte. Neben einem Menuet aus den „sechs musicalischen Partien“ von Johann Krieger, welches einem sofort geläufig scheint (und den Niederländern H.E.R.R. gewidmet ist), gibt es bei „Nihil Arisen“ auch weibliche Vocalparts einer Dame namens Imke auf die Ohren. Zudem spendeten die politisch nicht vollkommen unumstrittenen Künstler noch eine Neufassung von „Erio“, ursprünglich erschienen auf „Die große Marina“, in Gedenken an Ernst Jünger. Fehlen noch die italienischen Hoffnungsträger ROSE ROVINE E AMANTI, die momentan allenthalben von sich reden machen im erweiterten Neofolk-Umfeld. Mit insgesamt 19 Minuten Unterhaltung bei 3 Beiträgen ein Kern dieses Samplers. „My Catholic Europa“ bietet schmeichelnden Neofolk, während „Tempore“ (ebenfalls bis dato unveröffentlicht) pathetischer und percussiver daherkommt. Das 10-minütige „Aachen“ - ein Vorgriff auf das neue Album - baut auf ein bekanntes Kinski-Sample auf („Ich bin nicht der offizielle Kirchen-Jesus“, siehe auch FEINDFLUG) und zeigt im folgenden sämtliche Stärken der Südländer: Spannungsaufbau, Melancholie, Atmosphäre pur, was insbesondere auch durch Damianos einschmeichelndes Gesangsorgan erreicht wird. Der „Bonus Track“ „Sein Name“ von ECHO WEST befand sich in der Urversion auch auf einer 2004er Split mit WAPPENBUND und zeigt die Angst-Pop-Meister von ihrer sakral-minimalistischen Seite.
Thematisch also ein vergleichsweise weites Feld, welches hier bearbeitet wird: Neofolk, Neoklassik, Ambient, Avantgarde. Also genau das, wofür auch das Neoform Magazin steht, welches man für diese Compilation und die dazugehörige Veranstaltung einfach nur loben muss. Mag man auch nicht jedes Lied für absolut musikalisch hochwertig halten, bekommt man doch für kleines Geld eine interessante Rundreise durch den wirklichen Untergrund geboten. Weiter so!
[tk/ Lord Khaos] (15-08-2006)
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